Ich hab das reMarkable Paper Pro inklusive des Type Folio ausprobiert und unter anderem diesen Testbericht damit geschrieben.

Das reMarkable lässt mich jetzt schon seit einigen Jahren nicht mehr los. Mein erstes Modell war das reMarkable 2 (zum Testbericht), welchem aber leider noch ein paar wichtige Funktionen fehlten. Das seit letztem Jahr erhältliche reMarkable Paper Pro liefert den Großteil davon nach. Aus dem Grund kommt es jetzt auch dauerhaft bei mir zum Einsatz.
Zuerst einmal kurz zur Erklärung, was das reMarkable überhaupt ist. Beim reMarkable handelt es sich um ein Tablet mit e-Ink Display, welches man auch gerne als „Paper-Tablet“ bezeichnet. Das liegt daran, dass die Displays bzw. die Oberflächen papierähnlicher und somit im Vergleich zum Display eines iPads angenehmer für die Augen sind. Sie haben jedoch auch ein paar Nachteile, wie zum Beispiel die nicht so hohe Auflösung, die geringer Anzahl an Farben (wenn überhaupt) oder die ebenfalls geringe Refresh-Rate. Dafür bieten sie aber auch eine längere AkkuLaufzeit, was sie am Ende eher für spezielle Zwecke sinnvoll macht, wie zum Beispiel das Lesen und Schreiben. Zu den hierzulande bekanntesten e-Ink Tablets zählen wahrscheinlich die Kindle-Geräte von Amazon, die sich am Ende aber doch nochmal vom reMarkable unterscheiden. Wobei Amazon mit dem Kindle Scribe* in eine ähnliche Richtung geht, da dieser genau wie die reMarkable Tablets den Fokus auf die Schreib-Funktion legt. Dennoch kommt der Kindle Scribe aus meiner Sicht nicht an das reMarkable Paper Pro heran. Aber der Reihe nach.

Der Lieferumfang des reMarkable besteht aus dem 274,1 x 196,6 x 5,1 mm großen und 525 g schweren Tablet mit 11,8 Zoll Display, einem USB-C Ladekabel und einem Stift, mit dem man auf dem Tablet schreiben kann. Beim Stift hat man die Wahl zwischen dem Marker (in Grau, nur Stift-Funktion) und dem Marker Plus (Schwarz, inkl. Radiergummi-Funktion auf Rückseite), andere Stifte sind bisher nicht kompatibel. In meinem Fall war der Marker Plus dabei, da ich lieber einen schwarzen Stifte habe und zudem die Radiergummi-Funktion auf der Rückseite sehr praktisch finde. Es lässt sich zwar auch mit der Stift-Seite radieren (indem man digital ein Radiergummi als Stift auswählt), mit der Rückseite geht es aus meiner Sicht aber schneller.
Zum Stift erhält man außerdem auch noch austauschbare Minen dazu, da sich diese wie bei einem echten Stift abnutzen und mit der Zeit ungenauer in der Darstellung werden. Laut reMarkable soll man eine Spitze viele Monate nutzen und innerhalb von Sekunden austauschen können. Eine genaue Angabe macht reMarkable hier nicht. Beim Vorgänger, der jedoch auf eine andere Technik setzte, kam ich mehrere Monate mit einer Mine hin. Beim Paper Pro habe ich nach etwas mehr als einem Monat auch noch keinen Austausch vornehmen müssen.



Da man sein reMarkable sicherlich nicht nur so mit sich herumtragen möchten, kann man sich zusätzlich noch eine Schutzhülle (Book Folio) bestellen. Diese werden magnetisch am Tablet befestigt und sind in verschiedenen Farben sowie unterschiedlichen Materialien (Polymer Weave, Mosaic Weave, Premium Leather) erhältlich. Man muss dazu sagen, dass sie leider nicht günstig sind. Über Amazon bekommt man aber Drittanbieter-Hüllen*, die preislich deutlich darunter liegen. Eventuell kann sich das also lohnen. Ich hab mir aber trotzdem mal die originale Lederhülle in Braun angeschaut.
Neben den einfachen Schutzhüllen bietet reMarkable dann auch noch das Type Folio, also eine Tasturhülle an. Diese lässt sich ähnlich wie das Magic Keyboard über das reMarkable mit Strom versorgen und schützt es obendrein. Die Tastatur besitzt ein normalgroßes Format und eine Reihe mit Zahlen bzw. Funktionstasten. Ein Trackpad ist nicht vorhanden. Außerdem steht sie aktuell auch nur in der Farbe Basalt zur Verfügung.

Qualitativ hatte mir schon der Vorgänger, das reMarkable 2, sehr gut gefallen. Beim Paper Pro sieht es da nicht anders aus. Die Verarbeitung und das Design sind einfach hervorragend. Es macht selbst beim Vergleich mit einem iPad Pro einen sehr guten Eindruck. Um das aber direkt nochmal zu erwähnen, das reMarkable Paper Pro ist nicht mit einem iPad zu vergleichen. Der Sinn und Zweck sowie der Funktionsumfang sind komplett verschieden. Im Detail komme ich da aber gleich nochmal zu.
Zuerst nochmal zur Akkulaufzeit. Das reMarkable Paper Pro besitzt einen 5.300 mAh Akku und wird über einen USB-C Port aufgeladen. Die Akku-Laufzeit beträgt bei gewöhnlicher Nutzung bis zu 14 Tage. Im Standby-Mode hält der Akku bis zu 90 Tage. Die im Vergleich zu anderen Tablets hohe Laufzeit liegt wie erwähnt in der Display-Technik. Letzteres löst übrigens mit 229 Pixel pro Inch (2160 x 1620 Pixeln) auf. Der interne Speicher des Tablets wurde zudem von nur 8 GB beim Vorgänger auf 64 GB beim Paper Pro erhöht. Da man hier größtenteils nur Notizen oder PDFs speichert, reicht er auch erstmal aus. Zusätzlich lassen sich aber auch Cloud-Dienste wie Dropbox, Google Drive, One Drive oder die hauseigene reMarkable Cloud (Connect Abo vorausgesetzt) verbinden.





Der Marker Plus besitzt aus meiner Sicht ebenfalls eine hohe Qualität und ist mit einer Größe von 16,2 cm und einem Gewicht von 18,4 g in etwa so lang und schwer wie der Apple Pencil Pro (16,6 cm, 19,15 g). Genau wie letzterer ist er rund und kommt mit einer flache Seite, die zur magnetischen Befestigung am reMarkable geeignet ist. Durch die Radiergummi-Funktion auf der Rückseite kann er zudem einfach und schnell das Geschriebene wegradieren. Im Gegensatz zu dem Modell für den Vorgänger, welches immer einsatzbereit war, setzt der neue Marker Plus jetzt aber ebenfalls auf einen integrierten Akku, der während der magnetischen Befestigung am Tablet aufgeladen wird. Laut reMarkable ist die Akku-Laufzeit des Stifts höher als die vom Tablet. 5 Minuten laden reichen zudem für eine weitere Nutzungszeit von einer Stunde. Akku-Probleme beim Stift kommen daher eigentlich nicht vor.


Zu der Lederhülle ist zu sagen, dass sich diese gegenüber dem Modell für den Vorgänger nicht groß verändert hat. Sie wurde lediglich an das neue Format des Paper Pro angepasst. Die Lasche zum Schutz des Stifts, die wahlweise auch in einer kleinen Aussparung auf der Rückseite verstaut werden kann, ist ebenfalls wieder vorhanden. Von daher hat sich hier weder an der Qualität noch an der Funktionalität etwas geändert.




Das Type Folio ist mit seinem Äußeren aus Stoff vielleicht nicht ganz so hochwertig wie die Lederhülle, aber auch nicht viel schlechter. Da es die Nutzung sowohl mit sichtbarer als auch mit verborgener Tastatur (und damit genau so wie bei den Book Folios) ermöglicht, reicht im Prinzip auch nur das Type Folio. Natürlich bringt es letzteres aufgrund der Tastatur aber auch auf etwas mehr Gewicht. Als Notizbuch ist es dann schon ganz schön schwer, aber wie ich finde auch noch im Rahmen. Dafür bekommt man eben auch bei der Tastatur eine sehr hohe Qualität (ich weiß ich wiederhole mich, aber das reMarkable und das ganze Zubehör sind wirklich absolute Premium-Produkte).
Was mir am Type Folio dann ebenfalls noch gut gefällt, ist die Art des zusammenfaltens. Wie gesagt kann man die Tastatur komplett hinter dem reMarkable verstecken und die Hülle dann wie jede andere Schutzhülle nutzen. Benötigt man die Tastaur, klappt man das reMarkable einfach mit einem kurzen Handgriff hoch. Will man zusätzlich auch noch mit dem Stift auf dem reMarkable schreiben, kann man das Tablet sogar nochmal weiter nach hinten klappen, damit es nicht wie ein iPad im Magic Keyboard nach hinten kippt, wenn man zu fest mit dem Stift dagegen drückt. Daran kann sich Apple bei zukünftigen Magic Keyboards gerne mal ein Beispiel nehmen.







Kommen wir jetzt mal zu den Funktionen. Die Hauptfunktion des reMarkable liegt wie gesagt darin, sich Notizen zu machen. Sei es mit dem Stift oder über die Tastatur. Dazu beistzt das reMakbale ein eigenes System, welches ein wenig Ähnlichkeit zur Goodnotes-App für iPad aufweist. Dort können dann Ordner angelegt und Notizbücher mit verschiedenen Vorlagen (blanko, liniert, Tagesplaner, To-Do-Listen, gepunktet, usw.) erstellt werden.
Die fünf zuletzt bearbeiteten Notizbücher lassen sich kostenlos mit der reMarkable-App (für iPhone, iPad, Mac und Windows) synchronisieren. Wer alle Dateien immer aktualisiert haben möchte, benötigt das kostenpflichtige reMarkable Connect Abo (2,99 Euro pro Monat bzw. 29,99 Euro pro Jahr). Alternativ steht wie gesagt auch eine Synchronisierung der Dateien mit One Drive, Google Drive oder zur Verfügung. Diese ist aber nicht ganz so komfortabel, da die Dateien erst wieder heruntergeladen werden müssen, wenn man zum Beispiel Änderungen in diesen am iPad vornimmt. Die auf dem reMarkable vorhandene Datei wird dann nämlich nicht automatisch aktualisiert. Das klappt nur über die reMarkable-App.
Ansonsten bietet das System des reMarkable auch noch die Möglichkeit, die Notizbücher per Bildschirmsynchronisation auf einem Mac oder Windows-Rechner anzuzeigen, sie nach Word zu exportieren oder Plugins für Google Chrome zu nutzen, über die dann ganze Webseiten als PDF aufs reMarkable übertragen werden können. Außerdem kann man mit dem Stift geschriebene Texte oder Notizen in gedruckten Text umwandeln lassen.









Bis hier hin war dann eigentlich alles wie beim Vorgänger. Was macht das reMarkable Paper Pro denn jetzt besser als das reMarkable 2? Nun, in erster Linie ist da die Unterstützung von Farben durch das Canvas Color Display (based on E Ink Gallery 3) zu nennen. Während das reMarkable 2 ausschließlich Schwarz auf Weiß anzeigen konnte, ist das reMarkable Paper Pro dazu in der Lage, eine geringe Anzahl von Farben darzustellen. Es sind zwar nicht viele Farben, die wenigen reichen aber schon aus um die Funktionen deutlich aufzuwerten. Unter anderem sind dadurch farbige Markierungen mit dem Textmarker-Stift oder auch das Schreiben in unterschiedlichen Farben möglich. So lassen sich wichtige Notizen zum Beispiel durch die Nutzung der Farbe Rot beim Stift deutlich besser kennzeichnen.
Bezüglich der Farbdarstellung der Stifte muss aber auch erwähnt werden, dass diese beim ersten Schreiben trotzdem weiterhin in Schwarz dargestellt werden. Die Farbe ändert sich jedoch schon während des Schreibens. Am Anfang ist das vielleicht ein bisschen komisch, wenn man zum Beispiel Rot als Farbe ausgewählt hat, erst einmal in Schwarz schreibt und sich die Farbe dann noch während des Schreibens bei den schon geschriebenen Buchstaben in Rot verwandelt. Das kann ein bisschen ablenkend sein. Man gewöhnt sich aber sehr schnell daran und dann stört es auch nicht mehr. Wichtig ist am Ende, dass die Darstellung der Farben gelungen ist und das ist sie aus meiner Sicht. Auch wenn man die Dateien später am iPad anzeigen lässt, passen die Farben zum größten Teil (Pink wird vllt etwas mehr Lila, aber ansonsten stimmt es).


Eine weitere Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ist dann noch die Hintergrundbeleuchtung des Tablets. Diese kann in 5 Stufen angepasst werden, wobei meiner Meinung nach nur die obersten beiden Stufen interessant sind. Die anderen drei beleuchten den Hintergrund nur minimal, weswegen man in dunklen Räumen dann trotzdem nicht viel erkennt. Da es aber auch eine andere Art der Hintergrundbeleuchtung ist, bei der unter dem Displayrand kleine LED-Lichter zum Einsatz kommen, die für eine passive Beleuchtung sorgen, wirkt die Beleuchtung weniger anstrengend für die Augen als die eines iPads.
Die Hintergrundbeleuchtung in 5 Stufen steht außerdem auch fürs Type Folio zur Verfügung. Die Tasten leuchten aber nicht richtig durch, sondern werden auch nur passiv von unten beleuchtet. Da leider nur die Buchstaben in Weiß auf der Tastatur abgebildet sind und die Zahlen sowie Sonderzeichen in Grau, erkennt man letztere bei Dunkelheit also trotz der Beleuchtung auch nicht ganz so gut.


Zur Nutzung muss ich dann sagen, dass das reMarkable in dem was es kann, nochmal besser ist als ein iPad. Das ganze Schreibgefühl mit dem Stift kommt deutlich näher an echtes Schreiben heran, als es beim iPad und einem Apple Pencil der Fall ist. Aus meiner Sicht ist das auch kein kleiner sondern ein deutlicher Unterschied, der klar für das reMarkable spricht. Als Notizbuch ist das reMarkable für mich also deutlich besser geeignet als ein iPad, wobei die Software da teilweise noch für Einschränkungen sorgt. Vergleicht man sie mit der wirklich hervorragenden Goodnotes-App für iPad, ist letztere am Ende umfangreicher. Bei reMarkable arbeitet man aber kontinuierlich daran, die eigene Software zu verbessern. Seit meinem Test des reMarkable 2 hat man bereits diverse Features nachgeliefert, wozu unter anderem auch die für mich wichtige Stiftvorlage in der Schnellauswahl gehört. Dort gibt es nun mehr als eine Auswahl, weswegen man seine wichtigsten Einstellungen über einen Klick auswählen kann.
Seit ich jetzt auch das Type Folio nutze, ist das reMarkable zudem nicht mehr nur ein Notizbuch, sondern auch eine moderne Schreibmaschine geworden. Also es ist wirklich ein Gerät, auf dem man mit einer Tastatur stundenschlang schreiben könnte, ohne durch irgendetwas abgelenkt zu werden. Letzteres ist ebenfalls ein großer Vorteil des reMarkables, denn hier kann es nicht passieren, dass man gerade an einem Artikel oder Notizen arbeitet und durch irgendwelche Social Media-Beiträge, das Internet oder sonstige Apps abgelenkt wird. Abseits von den Notizbüchern gibt es all das nämlich nicht. Mir hilft es daher schon ein bisschen dabei, mich etwas besser zu fokussieren und alles andere auszublenden. Von daher habe ich zuletzt auch einige der auf homekits veröffentlichten Testberichte auf dem reMarkable vorgeschrieben.

Für mich ist das reMarkable Paper Pro insgesamt also ein sensationell gutes Produkt, wobei es immer noch ein paar Kritikpunkte gibt. Im Vergleich zum Vorgänger fallen diese aber deutlich geringer aus. Sie liegen auch hauptsächlich in der Software, die man ja glücklicherweise verbessern kann, was man bei reMarkable auch regelmäßig macht. Ein Konkurrent für ein iPad wird das reMarkable Paper Pro aber trotzdem nicht werden. Dafür ist es aber auch nicht gedacht. Es eignen sich vielmehr für Menschen, die häufig handschriftliche Notizen machen oder mit dem Type Folio auch für die, die viele Artikel oder vielleicht sogar Bücher schreiben. Aus dem Grund ist das reMarkable kein Gerät, was man sich anstelle eines iPads zulegt, sondern zusätzlich zu diesem. Wenn man zu der besagten Zielgruppe gehört, macht man damit auch sicherlich nichts falsch.
Leider muss ich zum Schluss aber noch sagen, dass die Preise des reMarkable Paper Pro und des Zubehörs nicht unbedingt niedrig sind. Das Tablet kostet in der Standardausführung mit dem einfachen Marker 649 Euro. Mit dem Marker Plus sind es 699 Euro. Ein zusätzliches Book Folio liegt je nach Material zwischen 99 und 199 Euro (günstige Alternativen gibt es wie gesagt über Amazon). Das Type Folio mit der Tastatur liegt bei 249 Euro. Es ist also teurer als ein Einstiegs-iPad und bietet weniger Funktionen. Wenn gewisse Punkte auf einen zutreffen, dann kann es das Geld aber wert sein. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall sehr angetan, weswegen es jetzt wie gesagt wieder dauerhaft als Notizbuch und zum gelegentlichen Schreiben von Artikeln zum Einsatz kommt.
P.S.: Nachdem reMarkable seine Geräte lange Zeit exklusiv über den eigenen Online-Shop (im Artikel verlinkt) angeboten hat, bekommt ihr das Paper Pro oder die Zubehörprodukte mittlerweile auch über Mediamarkt* oder Amazon*.
